Geschichte

Im Jahr 1999 entschloss sich Jörg Bahner zur Neugründung der BAHNER Strumpf GmbH, nachdem die Bi Strumpf GmbH 2 Jahre vorher verkauft worden war. Der Fokus lag auf einer übersichtlichen Kollektion für Stützartikel mit modischer Optik und wirksamer Stützfunktion für die Verbraucher. Heute bietet die BAHNER Strumpf GmbH Kniestrümpfe, Oberschenkelstrümpfe und Strumpfhosen von 20den bis 140den in modischen Farben in 3 Stützklassen an. Die Geschichte, wie Jörg Bahner und sein Vater Gerhard die deutsche Strumpfgeschichte beinflussten, wird im Folgenden beschrieben.

Von der Firma Bi Gerhard Bahner KG bis zur BAHNER Strumpf GmbH:
 
Konkurse sind Katastrophen. Der Konkurs der Bayerischen Couvertfabrik hat die Stadt Lauingen bis nach dem Krieg belastet. Konkurse sind aber manchmal auch ein Segen. Ohne den Konkurs des Fabrikanten Carl Josef Schmid in Lauingen gäbe es heute nicht den famosen Neubau von Deutz-Fahr und ohne die Hallen der ehem. Couvertfabrik hätte es auch nie die Ansiedlung der Fa. Bahner in Lauingen gegeben.
Die Fa. Bahner hat sächsische Strumpfwirkertradition und sächsische Textiltechnik nach Lauingen gebracht. Im November 1948 gründete Karl Bahner die Firma „Süddeutsche Wirkerei und Strickerei". Mit den überlangen Flachwirkmaschinen nahm man die Produktion von Nylonstrümpfen auf und hatte von Anfang an Erfolg. Strümpfe, gleich ob hochwertig oder billig, fanden reißen­ den Absatz. Die Firma zählte bald 50 Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen die größtenteils aus Oberlungwitz/Sachsen mit- oder nachgekommen waren.
Die Produktionsräume wurden schnell zu klein. 1953 richtete man die Strickerei in einer Halle der ehemaligen Ködelfabrik (später Landmaschinen Wirth) ein. 1955 erwarb man ein Areal an der Dillinger Straße (50 000 qm) und errichtete dort eine neue Fabrik. Beim 25jährigen Firmenjubiläum umfasste der Betrieb 550 Mitarbeiter. Der Personalstand hatte sich also im Vergleich zu den Anfängen verzehnfacht. (DZ Nr. 198 vom 20.8.1974). 1955 - das war die Wirtschaftswunderzeit. Die Löhne wuchsen langsam. Man konnte keine großen Sprünge machen. Aber man gönnte sich bzw. seinem Partner den Luxus im Kleinen: teure Strümpfe (das Paar kostete 10 Mark und mehr - eine Breze nur 5 Pfennig), schicke Strickmode, ein Moped oder einen Roller, Urlaub- per Bahn - in Österreich oder Italien. Wer essen ging, wollte es  „gutbürgerlich". Sicher hat das Unternehmen Bahner mit der Kantine auf dem neuen Firmenareal gepunktet.
Bi-Strümpfe waren wie ELBEO im Hochpreissegment positioniert und im Wettbewerb anfangs unangefochten;“, Die Strümpfe konnten in dieser Zeit gar nicht fein genug sein", schreibt Jörg Bahner in seiner Dokumentation. Mit der Erfindung der Strumpfhose konnte die deutsche Strumpfindustrie seit Mitte der 60er Jahre neue Absatzerfolge erzielen. Nötig war allerdings  die  Anschaffung der teuren Rundstrickmaschinen was die Reihen der Mitbewerber schon etwas lichtete. An der Wende zu den 70er Jahren hatte Bahner den Vertrieb erheblich ausgeweitet. Ein Fünftel der Produktion ging ins europäische Ausland. Die Zahlenrelation verdeutlicht, in welchem Umfang der Binnenmarkt noch aufnahmefähig war. Der hauptsächliche Vertriebsweg war damals der Fachhandel:  in Lauingen das Textilhaus Mittermaier, die beiden Modistinnen (die auch Kurzwaren führten) und kleine Läden für Kurz - und Galanterie" waren (wie man damals  noch  sagte). Der Fachhandel beriet die Kunden bzw. Kundinnen, er gab mit seinen Orders auch Rückmeldung auf die man bei der Geschäftsleitung schnell reagierte. Es lief also alles rund: die Mitarbeiter verdienten gut und konnten von manchen Sozialleistungen profitieren (u.a. einem rückgedeckten Versorgungswerk), die Unternehmensleitung konnte auf ihre Mitarbeiter, in der Hauptsache: Mitarbeiterinnen, und auf ihren Betriebsrat zählen. Die Stadt bekam das Gelände für den Kurlandkindergarten geschenkt und noch dazu einen beachtlichen Baukostenzuschuss (DZ Nr. 198 vom 29.08.1974). Sportvereine und schwäbische Leistungssportler wurden von der Fa. Bahner unterstützt. Es gab auch ein Bahner-Fußball-Team: „ 15 Spiele ohne Sieg sind der Beweis für eine idealistische Einstellung zum Sport!" Wie wahr! 25 Jahre nach ihrer Gründung war die Gerhard Bahner KG gut aufgestellt. Man hatte Bi-Strümpfe und Bi-Strickmoden als Marken etabliert; man hatte die Bedeutung der Werbung erkannt; man hatte Märkte außerhalb Deutschlands erschlossen und sich besonders in der Modewelt einen Namen gemacht. In der Entwicklung wurde mit Materialien aller Art experimentiert. Der Maschinenpark war auf dem neuesten Stand. Die Arbeitsplätze schienen sicher. Niemand konnte ahnen, dass ein Vierteljahrhundert später alles vorbei sein sollte. Dafür gibt es viele Einzelgründe: Rezession, Ölkrise mit Einbrüchen 1973/74 und 1980/81, Wandel der Lebensformen. Aber vergessen wir nicht den Hauptgrund: die Globalisierung. Mit einem Vergleich lässt sich das besser zeigen. Nehmen wir die Firma Feiler & Co. Als Bahner das 25-jährige Firmenjubiläum feierte, hatte sich Feiler schon ein Jahrhundert lang als Tuchfabrik behauptet. Von 420 Tuchherstellern 1955 hatte sich Feiler unter den letzten 60 halten können (DZ Nr. 50 vom 29.2.1984 S.VII). Als Hersteller von Trachten- und Hosenstoffen und als größter Uniformfabrikant der Bundesrepublik war die Lauinger Tuchfabrik „weltweit ein Begriff" (so in der Werbebeilage). Man arbeitete im Dreischichtenbetrieb. Die Fabrik wurde von anerkannten Fachleuten geführt. Wolfgang Feiler als Textilingenieur und Helmut Feiler als Textilkaufmann  stellten ein Führungsdual dar, wie wir es seit den Anfängen der Industrialisierung kennen: technische und kaufmännische Kompetenz tun sich zusammen. Der Firmenname drückt das in der Regel auch aus: Ködel & Böhm, Feiten & Guilalume, usw. Man darf also gewiss sein: Das Ende von Feiler waren  kein  Managementfehler,  sondern Ergebnis globaler Entwicklungen die schließlich dazu führten, dass in der Textillandschaft Schwaben nach einem Jahrtausend. der Faden gerissen" ist (wie es in einer Publikation bildkräftig formuliert wurde). Als Jörg Bahner nach dem plötzlichen Tod seines Vaters 1976 die Firma „Bi Strumpf GmbH" übernahm, hatte er -  eher ein seltener Fall in unserer Wirtschaftsgeschichte - sich sowohl umfassende technische als auch kaufmännische Kompetenz erarbeitet. Nach dem Gymnasium und dem Grundwehrdienst bei der Bundeswehr hatte er 1965 ein Praktikum in einer Pulloverstrickerei in Meaux bei Paris absolviert, in den Jahren 1965 - 1967 Textiltechnik in Leicester studiert und ein Diplom als Textilingenieur erworben. 1967 -  1970 studierte er Betriebswirtschaft in München und machte einen Abschluss als  Betriebswirt  FH.  Und bevor er Verantwortung in der Firma übernehmen durfte, musste er für jede Stelle im Betrieb eine Stellenbeschreibung anfertigen. Zwei Jahre dauerte das. Aber nun kannte er den Betrieb aus dem ff. Er war es nun, der den Wandel in der Firma vorantrieb: Die Einführung der gleitenden Arbeitszeit - auch in der Produktion -, die Schließung der Damenoberbekleidungssparte mit Sozialplan, den Wechsel zu einer neuen Werbeagentur.
Man kann eine Firma dieser Größe mit einer ehrgeizigen Produktlinie nicht von heute auf morgen „umstrukturieren“, wie manche es heute noch versprechen. Man kann sich aber ungünstigen Entwicklungen entgegenstemmen. Und genau das haben die Firmenchefs von Feiler und der junge Firmenchef von Bahner getan. Das waren heroische Versuche und  verzweifelte Bemühungen für die Belegschaft zu retten, was zu retten war. Die jungen „Firmenberater", die heute ausschwärmen, haben - außer wohlfeilen Sprüchen- nichts zu bieten. Im Nachhinein ist man immer gescheiter. Aber zu sagen: jemand habe die Entwicklung verschlafen - ist das nicht ein bisschen billig? Und ungerecht ist es dazu! Aber schauen wir in der Chronik von Jörg Bahner. Für die 80er Jahre notiert er:

          Wir vertrieben als beinahe erste Strumpfhosen mit Lycra.
          Wir kauften Textildruckmaschinen, um Strümpfe und Strumpfhosen zu bedrucken.
          Wir arbeiteten mit Swarowski, Kaufbeuren zusammen, um Strasssteine aufzukleben.
          Wir kauften die neuesten Maschinen, um Muster in die Strümpfe einzustricken.
          Wir nahmen Leggins in unser Programm auf.
          Wir gründeten Auslandsfirmen, um Erträge und Waren zum besten Standort zu befördern.
          Wir gründeten eine Firma, um Pierre Cardin als Lizenzmarke zu produzieren und zu vertreiben.
          Wir bauten ein neues Verwaltungsgebäude.(... )
          Wir feierten den Einzug bei Karstadt, Hertie, Horten und Kaufhof

Das ist Unternehmertum in bester Form! Und keine verschnarchte Firma. Auch wenn uns von der Firma Feller keine Berichte vorliegen.an kann darauf wetten, dass nichts unversucht geblieben ist, um auf dem Markt mithalten zu können. Bei „Portofino" in Gundelfingen war es nicht anders.
Für die genannten Firmen kam das Aus nicht überraschend. Jörg Bahner schreibt in seiner Dokumentation: „Der Verkauf der Firma und des Markennamens Bi war 1997 nicht mehr zu stoppen.  Die Mitarbeiterinnen konnten vom neuen Inhaber Sara Lee noch drei Jahre weiterbeschäftigt werden, die Produktion wurde dann nach Schongau verlegt." Gewiss spielen in solche Entwicklung­ gen manche Gründe hinein, die eher technischer Natur sind. So hatte die österreichische Firma „Wolford" ein elastisches Garn, das dem „Lycra" des amerikanischen Konzerns Dupont überlegen war. Doch dieser technische Grund reicht nicht aus. Die Konsumverweigerung der 68er führte zu einer neuen Uniformierung: Turnschuhe,  Jeans, Parka, die Mädchen Jeans und T-Shirt. Was anfangs wie studentische Folklore daherkam setzte sich schließlich als Kleidungsstil durch. Feine Stoffe, schöne Wäsche,  elegante Kleidung waren plötzlich out. Als der Lenker eines Weltkonzerns in Jeans und offenem weißem Hemd vor den Landsberger Standesbeamten trat, war offensichtlich,  dass die Kunst, sich anzuziehen, auch in unseren Landen verlorengegangen war.
Insofern waren die großartigen Werbekampagnen der Fa. Bahner ja der Strumpfindusrite überhaupt letztlich zum Scheitern verurteilt. Dass aber Bahner  Werbegeschichte geschrieben hat, illustriert eine Strumpfpackung, die jahrelang im Brockhaus unter dem Begriff Werbung abgebildet war als Beispiel für eine besonders gelungene Packungsgestaltung.
Damit sind wir auch bei der Marke Bi. Eigentlich wollte Gerhard Bahner nur das B zum Firmenlogo machen. Dagegen protestierten seine beiden Vettern. Also nahm er das B in seiner Buchstabierform:  Be. Das hätte ein bisschen an die Marke erinnert, die schon der Vater kreiert halle: Louis Bahner Ober­ lungwitz, also EI Be O gesprochen und ELBEO geschrieben. Gegen Be hatte aber die Marke  Bellinda Einwände. So kam es zu Bi, mit dem Vorteil dass man den i-Punktfarbigvariieren und  so die Artikel kennzeichnen konnte. Zum Beispiel „der Bi-Strumpf mit dem Lila Punkt".
Heute finden wir  Maschinen der Firmen Bahner und Feller in Augsburg im Textilmuseum. Auch ein Teil der Musterbücher beider Firmen scheint dort gelandet zu sein. Der größte Teil des Maschinenparks ist aber sehr schnell in den aufstrebenden Schwellenländern Asiens gelandet. Gegen diese Konkurrenz gab es kein Halten mehr. Nur der tapfere Herr Grupp hält mit Trigema" dagegen und Herr Bahner hat bereits 1999 mit der Firma „Bahner Strumpf GmbH" einen Neustart hingelegt. Mit einer Stützstrumpfkollektion für Damen (später auch für Männer) hat er bewiesen, dass technologisch anspruchsvolle Produkte gegenüber einem deregulierten Weltmarkt bestehen können. Zwar musste 2002 die Produktion nach Italien verlegt werden, weil der deutsche Hersteller insolvent geworden war. Aber Produktion und Vertrieb funktionieren bestens. Natürlich musste man auch neue Vertriebswege suchen und da bleibt eigentlich nur der online-Handel. Amazon zuerst einmal wohin uns diesen Herbst auch eine Fahrt der VHS führen wird. Den eigentlichen Fachhandel gibt es nun in anderer Form: bei den Sanitätsgeschäfte. Und was dort verkauft wird, ist „Mode mit Funktion", wie es Jörg Bahner für seine Stützstrümpfe und seine Stützstrumpfhosenkollektion in einem Interview einmal formulierte.
Am 1.1.2010 hat Florian Bahner in 14. Generation die Bahner Strumpf GmbH übernommen. 14 Generationen: das reicht weit zurück. Zu dieser Zeit hatte Lauingen nur zwei Strumpfwirker. Heute sind es wieder zwei. Aber während die einen gerade einmal die Stadt versorgen konnten, liefern unsere modernen Strumpfwirker in die ganze Welt. Damals gab es nur eine Strumpffarbe, nämlich weiß (schwarze Strümpfe kamen Ende des 19. Jahrhunderts für die Damenmode auf), heute können unsere Strumpfwirker ihre Artikel in zehn Farben anbieten. Und während die Strumpfmode (auch bei Stützstrümpfe) zuerst die Frauen im Blick hat, galten feine, meist seidene Strümpfe damals als Sache der Männer, die ihre schönen „Wadln" zeigen wollten. Man fand Männerbeine, wie uns Barbara Vincken in ihrem Buch über Mode lehrt, einfach “ sexy". (Bernhard Ehrhart, StD i.R., aus VHS Magazin 2/16)